Eine umstrittene Theologie
In der Bibel stehen Aussagen, die nicht leicht zu verstehen sind. Es geht so weit, dass es scheinbar ein direktes Widersprechen dem Kontext des ganzen Evangeliums gegenüber ist. Hier muss betont werden, dass das Evangelium nicht nur eine frohe Botschaft beinhaltet, sondern auch das Gericht, das den Menschen zum Tode verurteilen kann.
„Und viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen, die einen zu ewigem Leben, die anderen zu Schmach, zu ewigem Abscheu.“ (Daniel 12,2)
Besonders herausfordernd sind zwei folgende, scheinbar widersprüchliche Aussagen der Bibel: „Sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern daran, dass der Gottlose umkehre von seinem Weg und lebe! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben, o Haus Israel?“ (Hesekiel 33,11)
Aber darauf folgt eine kalte Dusche: „Und ER (Herr) sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hören, ja, hören sollt ihr und nicht verstehen! Sehen, ja, sehen sollt ihr und nicht erkennen! Mache das Herz dieses Volkes fett, mache seine Ohren schwerhörig und verklebe seine Augen, damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren ⟨nicht⟩ hört und sein Herz ⟨nicht⟩ einsichtig wird und es ⟨nicht⟩ umkehrt und Heilung für sich findet!“ (Jesaja 6,9-10)
Wie soll dieser krasse Widerspruch Gottes, der selbst die Liebe ist, verstanden werden? Erfahrungsgemäß haben hier auch die Theologen keine eindeutige und klare Antwort. Die folgende Darlegung soll in Form eines Gleichnisses zum Verständnis helfen.
Ein Töpfer nimmt nicht einen beliebigen Rohstoff für sein Werk. Er weiß, mit welchem er arbeiten kann, um ein schönes, zweckmäßiges, gutes, und stabiles Gefäß zu formen. Vor allem muss solch ein Gefäß stabil sein und darf nicht unter den Händen brechen, zersplittern oder sogar verletzen.
Etwas Ähnliches gilt bei der Formung des Charakters eines Menschen. In den Augen der Anderen kann jemand einen guten Eindruck machen. Er kann enthusiastisch singen, schön beten, gut predigen, sich vorbildlich benehmen usw.
Einem solchen Menschen scheint nichts im Wege zu stehen, sich taufen zu lassen und in die Familie der Gläubigen aufgenommen zu werden. Rechtlich gesehen müsste er eigentlich erlöst werden. Jedoch laut Erfahrung, gehen viele davon wieder dorthin zurück, wo sie vor der scheinbaren Bekehrung waren.
Das gleiche können wir in eine kosmische Dimension übertragen: Da sind die Engel aller Stufen, Bewohner von anderen Planeten, und auch die Bürger unserer Welt. Wahrscheinlich sehen alle diese keinen Grund, solche oben erwähnten Menschen nicht in die neue Welt aufzunehmen. Denn wenn sie allein mit dem Maß des Moralgesetztes, den Zehn Geboten, messen würden, scheint bei ihnen alles völlig in Ordnung zu sein. Nicht so bei Gott. Nur ER alleine sieht in das Herz einer Seele und weiß, um welches Individuum es sich da tatsächlich handelt; zu was er fähig oder unfähig ist. Ich vermute, dass auch diese Menschen selbst es nicht richtig wissen, wer sie tatsächlich sind.
Für eine Bewertung ist das Motiv entscheidend: Wird das Gute pro Forma oder aus Liebe getan? Denn die Liebe ist eine Grundlage des kosmischen Miteinanders. Das bestätigt der Hymnus an die Liebe in 1.Korinther, 13. Kapitel.
Ob jemand wahre Liebe innehat, ist nicht leicht zu erkennen. Hier kann ein Gebet helfen mit der Bitte: HERR, zeige mir bitte meine wahren Beweggründe, ob sie wahre Liebe beinhalten. Vater, bitte ändere mein Herz, dass die wahre Liebe ihren Sitz in mir einnimmt.
Um allen diesen „Strapazen“ auszuweichen, will Gott verhindern, dass solchen Leute, die für die neue Welt ungeeignet sind, das Evangelium gar nicht zukommt. Es klingt hart, aber an einer besseren Erklärung der anfangs erwähnten Versen mangelt es mir.
Aus den nächsten angegebenen Versen ist es offensichtlich, dass der Herr Jesus solch ein „hartes“ Verfahren auch selbst praktizierte: „Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben; denn wer hat, dem wird gegeben und überreichlich gewährt werden; wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden.“ (Matthäus 13,10-12)
Eine Erweiterung dieses Themas findet sich in den anderen Beispielen des Gleichnisses über den Sämann. Im Zusammenhang mit dem obigen Gegenstand sind hier die Verse in Markus 4,16.17 entnommen.
„Und ebenso sind die, die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind ⟨Menschen⟩ des Augenblicks; wenn nachher Bedrängnis oder Verfolgung, um des Wortes willen entsteht, nehmen sie sogleich Anstoß.“ Hier ist eine große Vorsicht erforderlich. Ich würde mir nicht erlauben, jemanden als einen, der für das Evangelium ungeeignet ist, zu bezeichnen!
Mit der Zeit werden immer weniger Menschen da sein, die für das zukünftiges Leben auf der neuen Erde geeignet sind. Der Herr Jesus erklärte „Ich sage euch: (…) Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?“ (Lukas 18,8) Hier geht es nicht darum, nur einen Glauben an Gott zu haben (Satan hat ihn auch) aber auch einen Glauben an seine Anforderungen, der sich auch in der praktizierten, aufrechten Liebe offenbaren muss. Für solche Menschen ist das Evangelium von Anfang an bestimmt!
Die Ausführung ist klar und unstrittig. Und doch wird hier jongliert. Immer wieder werden lange Ansprachen geführt mit der Behauptung: „Man kann für die eigene Erlösung nichts bringen. Alles, aber alles, ist nur ein Werk des Herrn Jesus. Weil es höchst unlogisch ist, fangen schließlich solche Redner unweise an, zu jonglieren, indem sie sagen, dass man doch selbst etwas machen müsse, um erlöst zu sein. Dadurch entsteht ein Durcheinander, dessen Ergebnis ein Verlust der waren Botschaft Gottes ist. Das Motiv hier ist eine Aversion gegen die Gebote Gottes, die man, wegen der Einwirkung Satans, beseitigen möchte.
Erfahrungsgemäß gibt es Menschen, die im voraus von sich denken, sowieso nicht zu den Auserwählten zu gehören, oder gehören zu können. Durch dieses Selbsteinreden resignieren sie in dem guten Kampf um die Krone des Lebens, obwohl die Bibel verkündigt: „Kämpfe den guten Kampf, der zu einem Leben im Glauben gehört, und gewinne den Siegespreis – das ewige Leben, zu dem Gott dich berufen hat.“ (1. Timotheus 6,12/NGÜ)
Solche Denkstrategie gehört zu Satans Vorgehen, um den Menschen den Glaubensmut zu rauben. Oder anders gesagt, sie in dem guten Kampf um die goldene Siegeskrone zur Resignation zu verleiten. Diese Methode Satans ist eine von mehreren, die er sich ausgedacht hat und an den Menschen fleißig anwendet.
Da war am Anfang die strittige Frage: „Für wen ist das Evangelium bestimmt?“ „Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben.“ (Jakob 1,12) Und: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lukas 12,32)
Palmen, die in einer trockenen Zone gesund aufwachsen sollen, müssen tiefe Wurzeln entwickeln. Das wird erzielt durch das Auflegen eines Kieselsteins oben auf den Schössling – die Pflanze. Dieses Gewicht bremst das Wachsen des Baumes in die Höhe, gleichzeitig erleichtert es das Wachsen in die Tiefe. Dies kann ein Bild für Menschen sein, die im Glauben schwach sind.
In seiner Liebe lässt Gott Anfechtungen zu, durch die der Glaube gestärkt, sogar geheilt wird. Solche Erlebnisse haben unzählige Male bewiesen, dass sie Erfolg ernten. Ein gutes Beispiel sind Menschen, die in schlimmen Zeiten, besonders im Krieg, gelebt haben. Die vollen Kirchen in solchen Zeiten, sind ein guter Beweis dafür.
In einem Spruch heißt es: „Je größer das Leid – desto näher der Gott!
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- regenbogen: Unsplash - Leo_Visions